Weinernte und Wahlkampf – Woche 6

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Wahlplakat „Im Brühl“

Neben der bereits genannten Weinernte, die uns den Großteil der sechsten Woche beschäftigte, kündigten sich zum Wochenende zwei weitere Ereignisse an: der Besuch des SPD-Bundestagskandidaten Dr. Joe Weingarten des Bezirks Bad Kreuznach am Samstagabend und die alljährliche Pergelwanderung am Sonntag.

Ersteres begann mit einem Sektempfang im Hof, wobei zur Begrüßung ein Überblick über die langjährige Geschichte des Brühler Hofes von 1896 bis heute gegeben wurde. Dazu gab es Rotling.

Während die letzten ihr Glas leerten, wurde die Bütte zur Frühburgundermaische geöffnet und ein Überblick über die Möglichkeiten im Vergärungsprozess in der ökologischen Landwirtschaft gegeben. Dabei kam die Sprache auf die Schwierigkeit, sich vor Staren zu schützen, die sich auf zwei Hochspannungsleitungen um Volxheim herum sammeln und nicht nur Fraßschäden an den Trauben verursachen, sondern durch das Landen auf den Trauben zusätzlich viele weitere beschädigen, was die Anfälligkeit für Pilzkrankheiten und Fraßschäden anderer Schädlinge erhöht. Der Konflikt zwischen den Winzern, die ihre Trauben durch Greifvögelschreier zu schützen versuchen und gestörten Anwohnern wurde untereinander ausgetauscht.

Weiter ging es in den Keller. Zuerst wurde die Wirkungsweise der Entrappungsmaschine erläutert, um dann den Vorgang in der Kelter genauer zu beschreiben, der auf Interesse unter den Besuchern stieß. Im Gegensatz zu herkömmlichen Keltern mit Spindel findet der Pressvorgang hier durch eine innen im Metallkörper liegende Stoffschicht statt, zwischen die und die Metallwand Luft geblasen werden kann, wodurch sich der Beutel verengt und die Maische auspresst. Durch das Zuführen und Entweichen der Luft durch Ventile kann der Vorgang sehr viel schneller stattfinden, da keine Spindel vor- und zurückgedreht werden muss.

Später wurde ein Einblick in die Möglichkeiten der Schönung im Vergärungsprozess gegeben, wobei der Brühler Hof vollständig auf tierische Schönungsmittel verzichtet und zur Klärung nur Bentonit und Kohle einsetzt.

Anschießend ging es an das Probieren. Ein 2016er Spätburgunder wurde direkt aus dem Barrique-Fass angezapft und ausgeschänkt, dann ging es weiter zum Federweissen vom Muscaris, der neun Tage im Tank vergärt wurde und ebenfalls direkt daraus in die Gläser gefüllt wurde.

Mit den Gläsern in der Hand ging es zum letzten Abstecher zu den Holzfässern. Hier wurde erklärt, dass ein Barrique nur drei bis vier Jahre als Barrique verwendet werden kann, bis es keinen Geschmack mehr abgibt. Trotzdem werden die Holzfässer im Brühler Hof bis zu zehn Jahre als Lagermöglichkeit genutzt und auch nach zehn Jahren wurde noch kein Fass entsorgt, die aussortierten dienen nun als Stehtische und Regentonnen.

Nach der Führung gab es geschmierte Brote und Grauen Burgunder und Kerner zur Auswahl, während die neuen Erkenntnisse reflektiert wurden. Abschließend fragte der SPD-Kandidat nach Anregungen Hans-Peter Müllers zur Förderung ökologischer Weinwirtschaft. Zwei Punkt wurden hier genannt.

Erstens kam der Vorschlag, den Einsatz von Pheromonen als unschädliche Alternative zum Spritzen gegen Traubenwickler als einen Punkt der guten fachlichen Praxis zu machen, so dass subventionelle Förderungen nur denen ungekürzt zu Gute kommen, die diese schonende Variante einsetzen. Andernfalls ist es oft schwierig, eine Gemeinde vollständig und damit wirkungsvoll zum gemeinsamen Pheromoneinsatz zu bewegen.

Zweitens wurde das alte Sprichwort angesprochen: „Wo ein Pflug kann gehen, soll keine Rebe stehen“, was sich auf die aufkommende Forderung bezieht, auch Tallagen für den Weinbau freizugeben. Im Gegensatz zu früher, wo bewusst die tieferen und flacheren Lagen der Lebensmittelproduktion zur Verfügung standen und der Weinbau auf den schwerer zu bewirtschaftenden Hanglagen stattfand, wäre hiermit eine günstigere und damit effiziertere Weinwirtschaft möglich. Zugleich würde jedoch die Bewirtschaftung der Wein“berge“ ineffizient, was zum Einen durch eine zunehmende Verbuschung dem Tourismus schaden würde und zum Anderen Ackerfläche für Grundnahrungsmittel für die Produktion eines Genussmittels einschrumpfen lassen würde. Dies gelte es zu verhindern.

Zum Thema „Wein als Genussmittel“ wurde außerdem der angestrebte Export problematisiert. Gerade als ökologischer Betrieb verzichte der Brühler Hof bewusst auf den Export seiner Weine, da dies gerade in Regionen, wo der Anbau von Wein möglich ist, der Transport unökologisch ist. Anstatt den Export weiter anzuregen, sei ein Umdenken hin zu regionalerer Vermarktung nicht nur im Weinbau notwendig, gerade weil Deutschland bereits führend im weltweiten Export ist und eine weitere Ausdehnung desselben nicht nötig hätte. Nach diesem Gespräch verabschiedete sich der Kandidat, der noch weitere Termine hatte.

Am Sonntag fand die alljährliche Pergelwanderung statt. Diese begann morgens mit einer Begrüßung im Weingut, nach der die Wanderung durch die Reben startete, bei der immer wieder von den Trauben genascht werden konnte. Nach einem kühlen Einstieg kam vormittags die Sonne heraus und ermöglichte ein Mittagessen im Wingert bei Sonnenschein. Nachdem alle zurück zum Weingut gewandert waren, gab es eine kleine Kellerführung mit abschließender Weinprobe. Ziel der Pergelwanderung war neben einem Einblick in den ökologischen Weinbau die Vermittlung der Vielfalt der Geschmacksrichtungen verschiedener Traubensorten, die später bei der Weinprobe wiedererkannt werden konnten.

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